Innovation & Investition

Corporate Venture: in Innovation investieren

In Start-ups und innovative Projekte investieren, um neue Märkte zu erschließen, Modelle zu testen und künftige Wachstumstreiber zu sichern: Hier erfahren Sie, wie Corporate Venture funktioniert, welche Formen es gibt und welche Vorteile und Risiken damit verbunden sind.

Von Collaboration Capital · Aktualisiert am

Was ist Corporate Venture?

Corporate Venture – oder Corporate Venture Capital (CVC) – bezeichnet die Investition eines etablierten Unternehmens in Start-ups oder innovative Projekte, oft außerhalb seines Kerngeschäfts, um Zugang zu neuen Technologien, neuen Märkten und künftigen Wachstumstreibern zu erhalten.

Der Unterschied zum klassischen Wagniskapital: CVC verfolgt ein doppeltes Ziel. Ein finanzielles Ziel (den Wertzuwachs der Beteiligung), vor allem aber ein strategisches Ziel – Technologiebeobachtung, Zugang zu Innovation, Optionen für spätere Übernahmen. Diese strategische Dimension unterscheidet es von einer reinen Geldanlage.

Warum betreiben Unternehmen Corporate Venture?

Ein Unternehmen setzt Corporate Venture aus mehreren, sich ergänzenden Gründen ein. Der erste ist der frühe Zugang zu Innovation: Eine Beteiligung an einem Start-up ermöglicht es, eine aufkommende Technologie oder ein neues Geschäftsmodell aus nächster Nähe zu beobachten, lange bevor sie zum Marktstandard werden.

Hinzu kommt die Erschließung neuer Märkte und Wachstumstreiber, ohne sofort umfangreiche interne Ressourcen zu binden. Corporate Venture dient auch dazu, neue Modelle zu testen, ohne das Kerngeschäft zu gefährden: Die Beteiligung isoliert das Risiko, das Unternehmen lernt und positioniert sich, ohne sein Hauptgeschäft aufs Spiel zu setzen.

In defensiver Hinsicht bietet eine Beteiligung an einem vielversprechenden – mitunter konkurrierenden – Start-up eine strategische Marktbeobachtung und oft eine Option auf eine spätere Übernahme: Der Investor kennt das Zielunternehmen von innen, bevor er einen Kauf in Betracht zieht. Schließlich stärkt die Zusammenarbeit mit innovativen Projekten die Arbeitgeberattraktivität und die Markensichtbarkeit bei Zukunftsthemen.

Formen von Corporate Venture

Direkte Minderheitsbeteiligung

Das Unternehmen beteiligt sich direkt als Minderheitsgesellschafter am Kapital eines Start-ups, allein oder gemeinsam mit anderen Investoren.

Eigener CVC-Fonds

Ein eigenes Investmentvehikel mit Team und Mandat, das regelmäßig in mehrere Start-ups investiert.

LP-Position in einem externen Fonds

Das Unternehmen wird Investor (Limited Partner) eines externen Venture-Capital-Fonds, um sich an einem Portfolio zu beteiligen, ohne es selbst zu verwalten.

Interner Inkubator / Accelerator

Ein Förderprogramm für Start-ups (Finanzierung, Mentoring, Marktzugang), das auf die Ressourcen des Konzerns zurückgreift.

Venture Building (Studio)

Das Unternehmen gründet auf Basis interner Ideen selbst neue Gesellschaften, häufig über ein eigenes Studio.

Beispiele für Corporate Venture

GV (Alphabet)

Alphabet investiert über seinen 2009 gegründeten Corporate-Venture-Fonds GV (ehemals Google Ventures) in innovative Start-ups.

Salesforce Ventures

Salesforce investiert in SaaS-Start-ups, die sein Cloud-Ökosystem bereichern: ein typisches Beispiel für strategisches CVC.

Großunternehmen in Frankreich & Europa

Zahlreiche Konzerne (Industrie, Energie, Versicherungen, Handel) haben eigene Corporate-Venture-Fonds aufgelegt, um in Start-ups ihrer Branche zu investieren.

Die Beispiele dienen der Veranschaulichung; die Investitionsstrategien dieser Akteure ändern sich im Laufe der Zeit.

Risiken und Erfolgsfaktoren

Corporate Venture ist nicht ohne Schwierigkeiten. Das erste Risiko liegt in der fehlenden Ausrichtung zwischen Muttergesellschaft und Venture-Team: Erstere strebt nach Rentabilität und denkt in den langen Zyklen ihres Kerngeschäfts, Letzteres nach schnellem Wachstum bei hoher Risikobereitschaft. Diese Spannung kann zu Meinungsverschiedenheiten über Strategie und Ressourcenverteilung führen.

Hinzu kommen andere Kompetenzen als im angestammten Geschäft (ein Start-up tickt anders als ein Konzern), ein langer, wenig liquider Investitionshorizont und das Risiko des Scheiterns, das für ein Großunternehmen kostspielig und öffentlich sichtbar sein kann.

Die Erfolgsfaktoren sind gut dokumentiert: dem Venture-Team echte Autonomie und eine passende Governance gewähren, einen langen Horizont akzeptieren, eine klare strategische Ausrichtung an der Roadmap des Konzerns festlegen und die Investition mit einer möglichen späteren Akquisitionsstrategie verzahnen.

Vorteile

  • Früher Zugang zu Innovation und Technologien
  • Neue Märkte und Wachstumstreiber
  • Modelle testen, ohne das Kerngeschäft zu riskieren
  • Strategische Marktbeobachtung und Option auf spätere Übernahme
  • Arbeitgeberattraktivität und Markensichtbarkeit

Risiken

  • Fehlende Ausrichtung zwischen Muttergesellschaft und Venture-Team
  • Schnelles Wachstum vs. Streben nach Rentabilität
  • Andere Kompetenzen und ein anderer Rhythmus als im angestammten Geschäft
  • Langer Horizont und geringe Liquidität
  • Risiko des Scheiterns, kostspielig für Großunternehmen

Corporate Venture oder Übernahme: Was ist die richtige Wahl?

Corporate Venture und Übernahme folgen unterschiedlichen Logiken. Eine Beteiligung erlaubt es, schrittweise zu investieren und zu testen, bevor man sich festlegt – mit mehr Flexibilität und begrenztem Risiko. Die Übernahme bietet dagegen volle Kontrolle und eine schnellere Integration, allerdings um den Preis eines deutlich größeren finanziellen und operativen Engagements.

Beide Ansätze ergänzen sich oft: Eine Corporate-Venture-Investition kann ein erster Schritt sein und, sobald man das Zielunternehmen besser kennt, in eine Übernahme münden. Die richtige Wahl hängt von Ihrer Strategie für externes Wachstum und Ihrer Risikobereitschaft ab.

Fazit

Corporate Venture ist ein wirkungsvolles Instrument, um Innovation zu erschließen, neue Märkte zu öffnen und mögliche Übernahmen vorzubereiten – vorausgesetzt, man beherrscht die Risiken: Autonomie des Teams, langer Horizont und klare strategische Ausrichtung. Gut gesteuert, ergänzt es eine Strategie des externen Wachstums wirkungsvoll. Um Ihre Möglichkeiten für Unternehmensverkauf und -kauf auszuloten, sprechen wir gern über Ihr Vorhaben.

Den Übergang von der Beteiligung zur Übernahme vorbereiten

Wird Corporate Venture als erster Schritt hin zu einer Übernahme betrachtet, sollte diese Option bereits bei der Erstinvestition vorbereitet werden. Wird sie erst später verhandelt, wenn das Start-up an Wert gewonnen oder weitere Investoren angezogen hat, ist sie deutlich schwerer zu erreichen.

  • Informationsrechte. Ein regelmäßiges Reporting ermöglicht es, das Zielunternehmen von innen kennenzulernen, was die spätere Due Diligence erleichtert.
  • Klauseln der Gesellschaftervereinbarung. Vorkaufsrecht, Recht auf das erste Angebot oder Kaufoption: Diese mit einem Rechtsanwalt auszuarbeitenden Mechanismen bestimmen, ob man zu gegebener Zeit übernehmen kann. Für das Start-up beeinflussen sie die Attraktivität einer Finanzierungsrunde bei anderen Investoren, was sie zu einem heiklen Verhandlungspunkt macht.
  • Die Bewertungsmethode. Wer sich im Voraus auf die Grundsätze der Preisberechnung auf Basis anerkannter Bewertungsmethoden verständigt, begrenzt spätere Meinungsverschiedenheiten.
  • Die Rolle der Gründer nach der Übernahme. Ein Earn-out kann ihr Engagement sichern, sofern die Post-Merger-Integration so vorbereitet wird, dass das, was den Wert des Start-ups ausmachte, nicht erstickt wird.

Häufig gestellte Fragen zu Corporate Venture

Was unterscheidet Corporate Venture von klassischem Wagniskapital?

Klassisches Wagniskapital zielt vor allem auf finanzielle Rendite; Corporate Venture verfolgt für das investierende Unternehmen zusätzlich strategische Ziele (Zugang zu Innovation, neuen Märkten und Technologien).

Welche Formen von Corporate Venture gibt es?

Direkte Minderheitsbeteiligung, eigener CVC-Fonds, Position als Limited Partner in einem externen Fonds, interner Inkubator oder Accelerator sowie Venture Building (Gründung von Gesellschaften aus dem Unternehmen heraus).

Was sind die Hauptrisiken?

Fehlende Ausrichtung zwischen Muttergesellschaft und Venture-Team, andere Kompetenzen und ein anderer Rhythmus als im angestammten Geschäft, ein langer, wenig liquider Horizont und das Risiko des Scheiterns, das für Großunternehmen kostspielig ist.

Corporate Venture oder Übernahme eines Start-ups: Was ist die richtige Wahl?

Corporate Venture erlaubt es, schrittweise zu investieren und zu testen; die Übernahme bietet volle Kontrolle und eine schnellere Integration. Beide ergänzen sich oft; die richtige Wahl hängt von Ihrer Strategie für externes Wachstum und Ihrer Risikobereitschaft ab.

Quellen und Referenzen

Inhalt verfasst und geprüft vom Team von Collaboration Capital. Diese Referenzen dienen nur der Information und ersetzen keine auf Ihre Situation zugeschnittene Rechts- oder Steuerberatung.

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