Vertraulichkeit bei M&A: Was Ihre Informationen wirklich schützt
Warum Vertraulichkeitsvereinbarungen (NDA) bei M&A nicht ausreichen – und wie Sie Ihre Informationen wirklich schützen
Bei einem Finanzierungsvorhaben, einer Kapitalbeschaffung, einer M&A-Transaktion oder einem Unternehmensverkauf wird fast immer eine Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA) unterzeichnet. In der Praxis schützen NDAs strategische Informationen jedoch nicht wirklich.
Von Collaboration Capital · Aktualisiert am
Bei einem Finanzierungsvorhaben, einer Kapitalbeschaffung, einer M&A-Transaktion (Fusionen und Übernahmen) oder einem Unternehmensverkaufsprozess wird fast immer eine Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA – Non-Disclosure Agreement) unterzeichnet. Dieses Rechtsdokument ist in der Regel der erste formelle Austausch zwischen den Parteien, bevor sensible Informationen geteilt werden.
In der Praxis schützen NDAs strategische Informationen jedoch nicht wirklich. Warum sind diese Vereinbarungen oft unzureichend? Und vor allem: Welche Maßnahmen sollten Sie ergreifen, um Ihre vertraulichen Daten in einem M&A- oder Finanzierungsprozess wirksam zu schützen? Genau das untersuchen wir hier.
Was ist eine Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA)?
Ein NDA (Non-Disclosure Agreement) ist ein rechtlicher Vertrag, der die zwischen zwei Parteien ausgetauschten vertraulichen Informationen schützen soll.
Im Rahmen einer M&A-Transaktion oder Finanzierung wird es in der Regel unterzeichnet zwischen:
- einer offenlegenden Partei (dem Unternehmen, das Informationen teilt)
- einer empfangenden Partei (Investor, potenzieller Erwerber, Berater usw.)
Eine Vertraulichkeitsvereinbarung umfasst in der Regel 1 bis 20 Seiten und legt mehrere zentrale Elemente fest:
Die beteiligten Parteien
Der Vertrag benennt die Parteien und ihre Rolle beim Informationsaustausch. In manchen Fällen tauschen beide Parteien Informationen aus; in anderen Fällen teilt nur eine Partei vertrauliche Daten.
Die Definition der vertraulichen Informationen
Das NDA legt fest, welche Informationen geschützt sind. In der Regel sind öffentlich zugängliche Informationen ausdrücklich ausgenommen. Zu den geschützten Informationen können gehören:
- Finanzdaten
- Strategie
- Vertriebsdaten
- Kundeninformationen
- geistiges Eigentum
- Daten im Zusammenhang mit einer Finanzierung oder einem Verkauf
Die Laufzeit der Vereinbarung
Ein NDA gilt nicht ewig. In der Praxis ist die Laufzeit oft begrenzt und übersteigt selten 5 Jahre.
Keine Pflicht zur Offenlegung
Ein wichtiger Punkt: Das NDA verpflichtet nicht dazu, Informationen zu teilen. Es schafft lediglich die Möglichkeit, dies in einem sicheren Rahmen zu tun.
Sanktionen bei Verstößen
Der Vertrag sieht in der Regel finanzielle Sanktionen und eine rechtliche Haftung vor, wenn eine Partei ihre Vertraulichkeitspflichten nicht einhält.
Warum NDAs nicht wirklich schützen
Trotz ihrer rechtlichen Bedeutung sind Vertraulichkeitsvereinbarungen in der Praxis oft wenig wirksam.
Weil sie nicht immer eingehalten werden
In der Realität können Informationen trotz NDA weitergegeben werden. Zum Beispiel:
- ein Investor teilt ein Dokument mit einem Kollegen
- ein Anwalt, M&A-Berater oder Steuerberater leitet eine Unterlage weiter
Und die Verbreitung kann über die autorisierten Personen hinausgehen. Mit mehr als 10 Jahren Erfahrung bei Finanztransaktionen stellen wir häufig fest, dass manche NDAs nicht strikt eingehalten werden. Natürlich arbeitet die Mehrheit der Fachleute seriös – aber ein einziger nachlässiger Intermediär genügt, um ein Informationsleck zu verursachen.
Weil ein Verstoß sehr schwer nachzuweisen ist
Wie erfährt man, dass es ein Leck gab?
In vielen Fällen wird das Unternehmen nie erfahren, dass die Information weitergegeben wurde.
Wie lässt sich die Quelle des Lecks ermitteln?
Selbst wenn das Leck erkannt wird, muss noch nachgewiesen werden, wer die Information weitergegeben hat und zu welchem Zeitpunkt. Das ist oft sehr komplex.
Wie lässt sich der Schaden beziffern?
Um vor Gericht Schadensersatz zu erhalten, muss der Schaden beziffert werden. Doch wie beweist man, dass eine vertrauliche Information einen finanziellen Verlust oder entgangenen Gewinn verursacht hat? Das ist oft rechtlich sehr schwer nachzuweisen.
Weil Gerichtsverfahren teuer sind
Ein Verfahren wegen Verletzung der Vertraulichkeit einzuleiten, kann aufwendig sein:
- mehr als ein Jahr Verfahrensdauer
- Anwaltshonorare
- Rechtskosten
Allein für die Einleitung eines Verfahrens können die Kosten leicht 5.000 € oder mehr erreichen. Bei einer nicht strategischen Information lohnt sich der Aufwand oft nicht.
Weil es auch ein Reputationsrisiko gibt
Eine Klage gegen:
- einen Investmentfonds
- ein Großunternehmen
- einen bekannten Marktteilnehmer
kann Folgen für die Reputation haben. In manchen Fällen ziehen es Unternehmen vor, kein Verfahren einzuleiten.
Sollte man weiterhin NDAs verwenden?
Ja – aber als erste Verteidigungslinie
Trotz ihrer Grenzen bleiben Vertraulichkeitsvereinbarungen unverzichtbar. Sie ermöglichen es:
- einen klaren rechtlichen Rahmen zu schaffen
- die Erwartungen zu formalisieren
- einen schriftlichen Nachweis zu erzeugen
Sie bilden eine erste Verteidigungslinie, müssen aber durch weitere Maßnahmen ergänzt werden.
Wie Sie Ihre vertraulichen Informationen wirklich schützen
Um einen M&A- oder Kapitalbeschaffungsprozess abzusichern, lassen sich mehrere Strategien umsetzen.
Die Abschottung von Informationen
Dies ist die wichtigste Maßnahme. Sie besteht darin, nur die unbedingt notwendigen Informationen zu teilen – je nach Profil des Gesprächspartners und Fortschritt des Vorhabens.
Beispiel: mehrere Datenräume
Man kann einen vollständigen Datenraum und einen Teil-Datenraum einrichten. Jede Art von Gesprächspartner erhält einen unterschiedlichen Informationsumfang.
Informationen zeitlich staffeln
Je weiter das Vorhaben fortschreitet, desto mehr Informationen können geteilt werden. Zum Beispiel:
- erste Phase: allgemeine Informationen
- zweite Phase: detaillierte Finanzinformationen
- Schlussphase: sensible strategische Informationen
Bestimmte Informationen anonymisieren
Man kann den Standort des Unternehmens verbergen, die Beschreibung der Tätigkeit vereinfachen und bestimmte identifizierende Elemente entfernen. In manchen Fällen werden anonyme Teaser verwendet, um ein Vorhaben vorzustellen, ohne die Identität des Unternehmens preiszugeben.
Das Vertrauensverhältnis zur Gegenpartei
Die menschliche Beziehung bleibt ein Schlüsselfaktor. Je seriöser der Austausch, je glaubwürdiger die Gegenpartei und je weiter das Vorhaben fortgeschritten ist, desto sinnvoller wird es, sensible Informationen zu teilen.
Wasserzeichen verwenden (Watermarking)
Eine weitere Technik besteht darin, unsichtbare Wasserzeichen in Dokumenten zu verwenden. Diese Markierungen ermöglichen es:
- den ursprünglichen Empfänger zu identifizieren
- die Quelle eines Informationslecks zurückzuverfolgen
Selbst wenn das Dokument weitergegeben wird, lässt sich die Quelle der Verbreitung ermitteln.
Vertragsstrafen vorsehen
Manche Unternehmen nehmen hohe Vertragsstrafen in ihre NDAs auf. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten:
- zu hohe Vertragsstrafen können von einem Gericht als missbräuchlich eingestuft werden
- sie können auch die Verhandlungen verlangsamen
Ziel bleibt es, abzuschrecken, ohne den Prozess zu blockieren.
Manche Investoren lehnen NDAs zu Beginn sogar ab
In manchen Fällen lehnen Investmentfonds es ab, bei der ersten Prüfung ein NDA zu unterzeichnen. Ihre Begründung: NDAs können den Prozess verlangsamen; sie analysieren lieber zunächst ein vorläufiges Dossier. Wenn das Vorhaben sie interessiert, unterzeichnen sie anschließend ein NDA, bevor sie Zugang zu sensiblen Informationen erhalten.
NDA und M&A: ein Instrument unter vielen
Bei einer Finanztransaktion ist das NDA nur ein Element eines umfassenderen Schutzkonzepts. Selbst wenn die Vereinbarung perfekt formuliert und unterzeichnet ist, bleibt der Schutz unzureichend, wenn Abschottung der Informationen, ein strukturierter Datenraum, Wasserzeichen und eine Verbreitungsstrategie fehlen.
Fazit: So schützen Sie Ihre Informationen wirksam
zuerst möglichst viele nicht vertrauliche Informationen teilen
das tatsächliche Interesse der Gesprächspartner prüfen
anschließend eine Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA) unterzeichnen
zusätzliche Schutzmaßnahmen umsetzen
NDAs bleiben also ein nützliches, aber unvollkommenes Instrument, das stets in eine umfassende Strategie für den Umgang mit vertraulichen Informationen eingebettet sein muss.
Wenn Sie an einem Unternehmensverkauf, einer Kapitalbeschaffung oder einem Unternehmenskauf arbeiten, ist es entscheidend, die Weitergabe Ihrer Informationen richtig zu strukturieren. Eine gute Vertraulichkeitsstrategie kann erhebliche rechtliche, finanzielle und reputationsbezogene Risiken vermeiden.
Vertraulichkeit intern: Mitarbeitende, Kunden und Partner
Spontan denkt man an Vertraulichkeit gegenüber Erwerbern oder Investoren, doch ein Großteil der Lecks entsteht im Unternehmen selbst: ein auf dem Drucker vergessenes Dokument, wiederholte Abwesenheiten der Geschäftsführung, ein Steuerberater, der ungewöhnliche Fragen stellt. Ein Verkaufsgerücht kann die Teams beunruhigen oder die Aufmerksamkeit eines Wettbewerbers wecken, lange bevor die Transaktion gesichert ist.
- Den Kreis der Eingeweihten begrenzen. Führen Sie eine namentliche Liste der informierten Personen und halten Sie sie aktuell; jeder neue Eingeweihte muss einen konkreten Grund dafür haben.
- Einen Codenamen verwenden. Korrespondenz, Dateien und Meetings tragen einen neutralen Projektnamen statt des Unternehmensnamens.
- Dokumente zentralisieren. Ein Datenraum mit individuellen Zugriffsrechten ersetzt den E-Mail-Versand; unser Beitrag zu den digitalen M&A-Tools stellt diese Lösungen vor.
- Die Bekanntgabe vorbereiten. Legen Sie im Voraus fest, wann und wie Mitarbeitende, Schlüsselkunden und Partner informiert werden – und durch wen. Unser Beitrag zu den menschlichen Faktoren bei M&A erläutert diesen Schritt.
Um bei der Vertragsgestaltung Zeit zu sparen, können Sie von unserer Vorlage für eine Vertraulichkeitsvereinbarung ausgehen und sie mit Ihrem Berater an die Art der geteilten Informationen und das Profil der Gegenpartei anpassen.
Häufig gestellte Fragen zur Vertraulichkeit bei M&A
Was ist ein NDA (Vertraulichkeitsvereinbarung)?
Ein rechtlicher Vertrag, der die zwischen einer offenlegenden und einer empfangenden Partei ausgetauschten vertraulichen Informationen schützen soll. Er legt die Parteien, die geschützten Informationen, die Laufzeit und die Sanktionen bei Verstößen fest.
Schützt ein NDA meine Informationen wirklich?
Nicht für sich allein. In der Praxis können Informationen weitergegeben werden, ein Verstoß ist schwer nachzuweisen, Verfahren sind teuer und es besteht ein Reputationsrisiko. Das NDA ist eine erste Verteidigungslinie, die ergänzt werden muss.
Wie schützt man seine Daten bei M&A wirklich?
Durch Abschottung der Informationen (vollständiger/teilweiser Datenraum, zeitliche Staffelung, Anonymisierung), ein Vertrauensverhältnis, Wasserzeichen (Watermarking) und maßvolle Vertragsstrafen.
Sollte man vor jedem Austausch ein NDA unterzeichnen?
Am besten teilt man zunächst möglichst viele nicht vertrauliche Informationen, prüft das tatsächliche Interesse der Gesprächspartner und unterzeichnet dann ein NDA, bevor der Zugang zu sensiblen Informationen geöffnet wird.
Quellen und Referenzen
- Code civil (französisches Zivilgesetzbuch), Art. 1112-2 — Vertraulichkeit der während der Verhandlungen erhaltenen Informationen — Légifrance
- Code civil, Art. 1112 bis 1112-2 — vorvertragliche Verhandlungen — Légifrance
- Leitfaden zur Sicherheit personenbezogener Daten — Ausgabe 2024 (Guide de la sécurité des données personnelles) — CNIL (französische Datenschutzbehörde)
Inhalt verfasst und geprüft vom Team von Collaboration Capital. Diese Referenzen dienen nur zur Information und ersetzen keine auf Ihre Situation zugeschnittene Rechts- oder Steuerberatung.
Schützen Sie Ihre Informationen in jeder Phase
Strukturierte Datenräume, abgeschottete Weitergabe und persönliche Begleitung: Collaboration Capital sichert den Informationsaustausch bei Ihrem Unternehmensverkauf, Unternehmenskauf oder Ihrer Kapitalbeschaffung ab.
Vertrauliches Gespräch anfragenEin erstes 30-minütiges Gespräch mit einem Partner, um Ihr Vorhaben – Unternehmensverkauf, Unternehmenskauf oder Finanzierung – abzustecken, unverbindlich.
Antwort innerhalb von 24 Stunden an Werktagen
Vertraulichkeit garantiert – NDA auf Anfrage
In Frankreich registrierter Kreditvermittler (IOBSP), ORIAS-Nr. 25000696